Rezension "Intergeneratives Singen"

Voss, Rebecca (2020). Intergeneratives Singen. Eine empirische Untersuchung mit didaktischem Entwurf. Münster: Waxmann.

In diesem Jahr ist die Dissertation "Intergeneratives Singen" von Rebecca Voss beim Waxmann-Verlag erschienen; dieses Schnittstellen-Thema  ist bisher noch viel zu wenig thematisiert und hinterfragt worden, sodass ein kurzer Blick in das Buch und eine kurze Beschreibung für diese Homepage sicherlich interessant sein mögen.

Auf den ersten ca. 65 Seiten des Buchs geht Rebecca Voss auf grundlegende Aspekte ein, die für die Betrachtung intergenerativer Singangebote von Bedeutung sind: Nach einigen Begriffsschärfungen (Gerontologie - Geragogik, Musikpädagogik - Musikgeragogik - Community Music) stellt sie den aktuellen Forschungsstand zum demografischen Wandel, zum Alter bzw. Altern, zum Singen (im Alter) allgemein und  zu den Begriffen Generation, Generationsbeziehungen und intergenerativen Bildung dar. Nachvollziehbar erklärt können hier in übersichtlicher Weise Einblicke in die aktuellen Diskurse nachvollzogen werden.

Im siebten und achten Kapitel stellt Rebecca Voss nach einer Sichtung der wenigen bestehenden Singformate mit  Einordnung  in  die intergenerative Bildung ihre eigene Studie zum intergenerativen Singen vor. Dazu hat sie Leitfadeninterviews mit Leiter*innen von Singformaten geführt und ausgewertet sowie einige Musikprojekte bzw. Singstunden besucht und  von zwei Projektproben die Verläufe protokolliert und durch die Aussagen einer Teilnehmerbefragung eingeordnet.

Im  Ergebnisteil bzw. in der Diskussion werden u. a. die Rahmenbedingungen, die Herausforderungen und die didaktisch-methodischen Besonderheiten intergeneratives Singangebote dargestellt und eingeordnet. Mit deren Hilfe formuliert Rebecca Voss ein didaktisches Konzept, wie intergenerative Sing- und Chorangebote gestaltet werden sollten und welche Kontexte, Kompetenzen und Vorüberlegungen  relevant sind (s. "didaktischer Dreiklang"). Zum Schluss formuliert sie Forderungen,  die der professionellen Umsetzung intergenerativer Singangebote dienlich wären und  angemessene Rahmenbedingungen zur Etablierung und Professionalisierung schaffen könnten, z. B. Fort- und Weiterbildungsformate bzw. ein Einbezug in der Ausbildung von Musikpädagog*innen.

Auch wenn es sich bei der Veröffentlichung um eine Dissertationsschrift handelt, sind die Inhalte und Erläuterungen gut verständlich und stets praxisbezogen formuliert, sodass sie auch für die konkrete musikalische Praxis relevant sind und auch für "nicht nur wissenschaftlich Interessierten" lohnenswert sind.

Es schließt sich direkt an das Lesen der Wunsch nach Praxismaterial an, wie konkrete Stundenbilder bzw. mit welcher Literatur, welchen Arrangements und welchen Methoden intergenerative Singangebote "optimal" durchgeführt werden können. Ebenso wie im Bereich der Seniorenchorleitung bedarf es auch beim intergenerativen in vielfältiger Weise Entwicklungsarbeit oder positiv formuliert: Es gibt noch Entwicklungspotenzial.

Link zur entsprechenden Seite des Waxmann-Verlags

(Kai Koch, 24.11.2020)

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